Musikgespräche

Hör mal (wieder) - "Der fliegende Holländer" von Richard Wagner

Hörtipp Nr. 12 - und damit der letzte- von Richie von SINFONIMA

Nach elf Hörtipps also endlich einer, der sich auf ein Wagner-Werk bezieht. Da hat sich der gleich(-vor-)namige Richie von SINFONIMA aber ganz schön Zeit gelassen und das als Mitglied des „Richard-Wagner-Verbands international“.

Jaja! Asche auf mein Haupt! Der Grund dafür liegt einfach darin, dass ich mich unglaublich schwer getan habe, aus dem Riesenwerk meines absoluten Lieblingskomponisten etwas auszusuchen, mit dem ich – hoffentlich – dazu beitragen kann, dass auch jemand, der sonst schon bei bloßen Erwähnung des Namens „Wagner“ abwehrend die Hände hebt, sich auf diesen Hörtipp einlässt und seine Vorurteile begräbt.

Wer den Namen „Richard Wagner“ googelt findet 131 Millionen Einträge (für „Giuseppe Verdi“ 33,5 Mio.). Kein Komponist wurde und wird mehr diskutiert, verehrt oder gehasst als der gebürtige Leipziger. Einem der häufigsten Argumente möchte ich entgegenhalten: Wagners Musik ist nicht „schwer“ und „bombastisch“, man kann sie nur nicht hören, ohne dass man verstanden hat, um was es bei dem Musikstücke gerade geht: Walküren, die auf Rössern freudig jauchzend durch die Wolken preschen (Die Walküre, 3. Aufzug), klingen eben anders als ein Schwanenritter-Brautpaar auf dem Weg zur Hochzeitsnacht (Lohengrin, 3. Aufzug) oder ein Held, der im Wald vor sich hin träumt (Siegfried, 2. Aufzug).

„Der fliegende Holländer" war Wagners 4. Oper und ist die erste, mit der er dauerhaft zufrieden war. Und sie war auch meine erste Wagner-Oper, zu der ich durch die berühmten Chöre (der Spinnerinnen im 2. und der Matrosen im 3. Aufzug) „angefixt“ worden war. Schon die Ouvertüre ist eine sinfonische Dichtung (Musik für’s Kopfkino, vgl. meinen ersten Hörtipp) und schildert, wie sich auf offenem, stürmischer Meer das Schiff des Holländers (Holländermotiv) und das des norwegischen Kapitäns Daland (Melodie des Matrosenchors) begegnen und sich folgen, um in einer Bucht Schutz zu suchen. Dort beginnt dann im 1. Aufzug die tatsächliche Handlung. Sie erzählt eine (oberflächlich betrachtet) relativ einfache und doch faszinierende romantische Gespenstergeschichte (die auf E.T.A. Hoffmann zurückgeht, vgl. Hörtipp Nr. 4), von der das moderne Regietheater heutzutage allerdings meist nicht mehr viel übrig lässt.

Ausgangspunkt für mich als 14-jährigem und für meine Entdeckungsgeschichte des Holländers und dann der weiteren Wagner-Werke waren vor allem die beiden genannten Chöre mit ihren leichten und eingängigen Melodien. Dass Wagner stets Außergewöhnliches mit seiner Musik anzustellen vermag, lässt sich gut am Matrosenchor verdeutlichen: Nachdem die Norweger im 3. Aufzug, der mit dem Matrosenchor beginnt (Video 1. Teil), vergeblich versucht haben, die Holländer zu provozieren und die darauf aber nicht reagieren, wollen sie weiterfeiern und nehmen ihren Gesang wieder auf (1. Teil ab 9:16). Aber das Orchester begleitet sie nicht mehr mit ihrer Melodie, sondern spielt bereits „unharmonisch“ dagegen an, bis dann der (Geister-)Chor der Holländer wuchtig einsetzt. Wie dann (2. Teil) die zunehmend hilflos und schwächer dagegen ansingenden Norweger von den Holländern musikalisch (!) geradezu „aufgefressen“ werden, ist Wagnersche Musikdramatik pur, aber eben genau der dramatischen Situation entsprechend und angemessen.

Wer’s kennt, weiß, was ich meine.

Wer’s nicht kennt: Versucht’s einfach mal. Es tut (bei angemessener Lautstärke des 2. Teils) bestimmt nicht weh.

Teil 1:

Teil 2:

Mit diesem Hörtipp verabschiede ich mich gleichzeitig auch von Euch und hoffe, Ihr habt mit den Anregungen etwas anfangen können. Bleibt neugierig. Es gibt so unendlich viel Lohnendes zu entdecken in der sogenannten "klassischen" Musik.
Danke für Eure Aufmerksamkeit und  Euer Feedback.

 

Euer Richie 

 

Richies Hörtipps auf einen Blick und Klick:

Hör mal (wieder) - Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms
Hör mal (wieder) - Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll, op. 37
Hör mal (wieder) - Die Piraten von Penzance von Arthur Sullivan
Hör mal (wieder) - Sinfonie Nr. 6 von Anton Bruckner
Hör mal (wieder) - Candide von Leonard Bernstein
Hör mal (wieder) - Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski

Hör mal (wieder) - Orpheus und Eurydike von Christoph Willibald Ritter von Gluck
Hör mal (wieder) - Ariadne auf Naxos
Hör mal (wieder) - L'elisir d'amore
Hör mal (wieder) - Die Moldau
Hör mal (wieder) - Neue Hörtipp Reihe von und mit Richie

Kommentare
Es sind keine Kommentare vorhanden.
Neuer Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar und nehmen Ihren Beitrag ernst. Damit wir dies schaffen, bitten wir um einen kultivierten, respektvollen Umgang miteinander.

Zum Anfang