Musikgespräche

Hör mal (wieder) - "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms

Hörtipp Nr. 11 von Richie von SINFONIMA

Was viele gar nicht wissen: Brahms vertonte in „Ein deutsches Requiem“ lutherische Bibelzitate, bei denen der Trost der Hinterbliebenen im Vordergrund steht. Trotzdem eignet sich ein grauer, nasskalter Novembertag ideal für eine kleine Hör mal (wieder)-Session, findet Richie.

Dass sich der Hörtipp des allgemein als dunklen oder auch Trauer-Monats bezeichneten November auf ein Requiem bezieht, mag grundsätzlich für Euch wenig verwunderlich sein.

Aber Brahms grenzt sein Werk ist nicht nur bereits mit der Bezeichnung „Ein deutsches Requiem“ ganz offensichtlich von anderen Requiems, etwa denen von Mozart oder Verdi ab. Auch tatsächlich handelt es sich bei den sieben Sätzen nicht – wie bei den genannten anderen - um die Liturgie einer katholischen Totenmesse. Brahms hat vielmehr von ihm selbst ausgesuchte lutherische Bibelzitate vertont, bei denen der Trost der Hinterbliebenen im Vordergrund steht:

Selig sind, die da Leid tragen“ heißt es deshalb bereits gleich zu Beginn im 1. Satz, mit dem Orchester und Chor sanft in das Werk einführen. Gleich darauf folgt dann aber mit dem 2. Satz ein textlich wie musikalisch sehr wuchtiger, eindrucksvoller und damit umso nachhaltigerer Hinweis auf die Vergänglichkeit des Lebens: „Denn alles Fleisch es ist wie Gras.“ Auch das sich anschließende Baritonsolo verweist auf diese Thematik: „Herr, lehre doch mich, dass ein Ende mit mir haben muss.“. Das führt dann – ja fast zwangsläufig - zu der vom Sopransolo daran anschließenden Erkenntnis „Ihr habt nun eine Traurigkeit“, der vom Chor hoffnungsfroh in Aussicht gestellt wird: „Ich will euch trösten“, denn: „Selig sind die Toten“, heißt es im Schlusssatz, mit dem der Chor die Hörer ins (Weiter-)Leben entlässt.

Brahms hat also mit seinem „deutschen“ Requiem keine von Schmerz, Verzweiflung und Trauer gekennzeichnete Totenmesse geschaffen, sondern viel eher ein Oratorium, dass den Lebenden Beistand und Trost vermitteln soll. Das dürfte auch der Hauptgrund dafür sein, dass das Werk des mit 36 Jahren noch jungen Brahms nach der ersten vollständigen Aufführung aller sieben Teile im Jahr 1869 rasch populär geworden und es bis heute geblieben ist.

Für mich Grund genug, Euch dieses Werk ans Herz zu legen und zum (Wieder-)Hören zu empfehlen: Habt keine Scheu vor diesem Requiem und lasst Euch ein auf die „von Ernst, Würde und Zuversicht getragene Musik für die Lebenden“ (Wikipedia). Ein grauer, nasskalter Novembernachmittag wäre dafür genau der richtige Zeitpunkt.




Euer Richie 

 

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