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Musikgespräche

Hör mal (wieder) - Bedřich Smetana "Die Moldau" (Vltava)

Ein Hörtipp von Richie von SINFONIMA

Für mich war „sie“ die Initialzündung für meine Liebe zur klassischen Musik. Mit 9 Jahren nahmen wir das Stück im Musikunterricht durch und ich war wie elektrisiert. Zum ersten Mal konnte ich Musik nicht nur hören, sondern auch verstehen und mit ihr etwas Faszinierendes anfangen: Beim Hören „sah“ ich in meinem Kopfkino einen eigenen Film, der sich beim Immer-wieder-Hören weiter entwickelte, verfeinerte und nie langweilig wurde. Und das ist bis heute mein „Drehbuch“:

Foto: Richie von SINFONIMA | Logo Mannheimer Versicherung AG

Die Moldau (Vltava) von Bedřich Smetana

Man sieht wie das Wasser erst der einen, dann der anderen Moldauquelle sich seinen Weg mit Spritzern über kleine Steine sucht, diese Rinnsale sich schnell mit anderen zum Fluss verbinden, der mit dem eingängigen und wunderbaren Hauptthema, der „Moldaumelodie“, dann schiffbar ist. Von einem solchen Schiff aus kann ich dann am Ufer die auf ihren Pferden dahinstürmende Jagdgesellschaft, eine dörfliche Bauernhochzeit und in der langen Mondscheinnacht über ruhigen Fließbewegungen die aufsteigenden Nebel und die schwebenden Wassergeister beobachten. Dann kommt der Morgen und die Moldau gleitet im strahlenden Sonnenschein dahin – ewig könnte ich so weiterfahren und schwelgen.

 

Aber die St-Johann-Stromschnellen entfesseln im plötzlichen, starken Kontrast zum Hauptthema die wildesten und gefährlichsten Wasserbewegungen. (Diese Passage war und ist für mich übrigens immer der Gradmesser für mein Urteil, ob ich die jeweilige Interpretation des Dirigenten und des Orchesters mag oder nicht: Ist das Tempo ausreichend schnell und klingen die Instrumente akzentuiert genug für meine Bilder von den brausenden und spritzenden –Piccoloflöten!- Wassern).

Wenn schließlich der letzte gurgelnde Strudel das Schiff wieder in ruhiges Fahrwasser entlässt, dann strahlt nicht nur die Moldau wieder, sondern auch der Fahrgast, der dann in Prag zum Thema für die Prager Hochburg (Vyšehrad) das Schiff verlässt, aber dem Fluss mit verträumtem Blick in die Ferne folgt und erst vom finalen Doppelschlag in die Realität zurückgeholt wird, der zugleich den Film beendet.

Die Moldau ist nach Vyšehrad  das zweite Stück aus dem Zyklus Mein Vaterland (tschechisch Má vlast), der noch weitere 4 symphonische Dichtungen umfasst (Gesamtdauer ca. 75 Minuten).

 

Genug „Stoff“ für weitere Drehbücher. Habt ihr nun Lust bekommen, euren eigenen Film zu drehen? Jeden Monat findet ihr hier einen neuen Hörtipp. Im Februar steht eine Wundermedizin im Fokus.

 

Text von Richie 

 

 

 

Was und wer steckt eigentlich hinter der Reihe "Hör mal (wieder)"? Hier erfahrt ihr mehr.


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