Musikgespräche

Hör mal (wieder)… - Die "6. Sinfonie A-Dur" von Anton Bruckner

Hörtipp Nr. 8 von Richie von SINFONIMA

Auch meine Liebe zu dieser Sinfonie verdanke ich meinem Musiklehrer, der mich in der 8. Klasse dazu verdonnerte, darüber ein Referat zu halten. Ohne irgendwelche Vorkenntnisse über Bruckner oder seine Werke zu haben und ohne (damalige) Unterstützung von Wikipedia oder anderen leicht zugänglichen Hilfsmitteln musste ich mir dieses Werk dann wirklich erarbeiten.

Richie von SINFONIMA (Foto: Mannheimer Versicherung AG)

Die 6. Sinfonie von 1881 ist die untypischste Sinfonie Bruckners. Nach meiner Auffassung ist sie in ihrer Klarheit, ihrem Aufbau, ihren harmonischen und rhythmischen Mitteln mit keiner anderen seiner Sinfonien zu vergleichen. Der Komponist selbst hat sie nur ein einziges Mal und nur in einer Orchesterprobe hören können. Er bezeichnete sie als seine „keckste“ Sinfonie (als Reim auf sechste Sinfonie) und sie wirkt – vom 2. Satz abgesehen - in der Tat unbeschwerter und damit „weltlicher“ als seine anderen Sinfonien.


Fassung: hr Sinfonie Orchester, Christoph Eschenbach

Möglicherweise war das der Grund dafür, dass sie erst 1937 zum ersten Mal vollständig in der Originalfassung aufgeführt und in der Aufführungspraxis sehr lange sehr zurückhaltend behandelt wurde. Zum Glück hat sich das geändert, denn in keiner anderen Bruckner-Sinfonie ist die Struktur der einzelnen Sätze klarer, sind die einzelnen Motive leichter erkennbar (und damit auch wiedererkennbar) und die Abwechslungen für den Hörer faszinierender. Beispielhaft möchte ich nur darauf verweisen, dass das klare Hauptthema des 1. Satzes, das gleich zu Beginn ab dem 3. Takt erklingt, auch am Schluss des 4. Satzes wieder auftaucht, womit sich für mich dann immer ein Kreis schließt. (Dasselbe hat übrigens auch Antonín Dvořák in seiner berühmten 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ angewendet.)

Bemerkenswert ist vor allem der 3. Satz mit seinem pochenden Grundrhythmus und seinem klar erkennbaren dreigeteilten Aufbau (A-B-A) mit dem besonders hervorstechenden Mittelteil, in dem die Pizzicato-Figuren der Streicher mit den diesen entsprechenden Rufen der Hörner korrespondieren.

Am Faszinierendsten ist für mich aber immer noch der 2. Satz dieser Sinfonie (siehe Video ab 16:45 Min). Wenn man weiß, dass Bruckner Zeit seines Lebens ein zutiefst gläubiger Mensch war, der als Organist viel Zeit in der Kirche verbrachte, dann kann man sich sehr gut vorstellen, wie er dieses sehr feierliche Adagio auf der Orgel weltvergessen improvisierend entwickelt hat.

Ich hoffe, ihr habt Lust bekommen, mit dieser Sinfonie in die Brucknersche Klangwelt einzutauchen.


Euer Richie

Kennt ihr schon Richies frühere Hörtipps?

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