Musikgespräche

Das Cello als Sprachrohr der Gefühle und Gedanken

Benedict Klöckner im SINFONIMA-Interview über seine intensive Auseinandersetzung mit der Musik

Benedict Klöckner, der ethisch musizierende Cellist, der bei seinen Interpretationen den Komponisten an erste Stelle setzt, hat sich mit Kathrin Christians über seine intensive Auseinandersetzung mit der Musik unterhalten. Und über das, was er gerne aus dem Lockdown mitnehmen würde.

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SINFONIMA: Lieber Benedict, als Cellist bist du in der ganzen Welt unterwegs, konzertierst als Solist und Kammermusiker. Dein Weg hatte dich ganz klassisch zu verschiedenen Lehrern geführt. Was findest du besonders interessant an den unterschiedlichen Lehrstilen?

BK: Von jedem Professor lernt man unterschiedliche Dinge. Mein großes Glück war, bei wundervollen Professoren zu studieren. Mit 14 Jahren kam ich zu Martin Ostertag an die Musikhochschule Karlsruhe: sowohl von der musikalischen Seite, als auch vom reinen Cellospiel war es eine unglaublich tolle Ausbildung die ich bei ihm erfahren habe. Einerseits legte er Wert auf einen systematischen Technikaufbau und gleichzeitig beschäftigte ich mich intensiv mit unterschiedlichen musikalischen Stilen. Und zusätzlich wurde mir musikalische Ethik vermittelt: den Komponisten an erste Stelle zu setzen. 

Danach lernte ich an der Kronberg Academy bei Franz Helmerson, ein phantastischer Cellist, Musiker und Mensch. Er arbeitete mit mir unter anderem an den Finessen der Phrasierung, der Bogenführung und dem Vibrato. Und gleichzeitig gab er jedem seiner Studenten seine eigene Freiheit. Wir spielen dadurch alle sehr unterschiedlich, haben nicht im Sinne einer ganz speziellen Schule gelernt, sondern jeder hat seinen ganz eigenen Stil entwickelt.

In der Tat: sehr gute Lehrstile! An welchen besonderen Unterrichtsmoment einnerst du dich denn besonders gerne zurück?

An eine Stunde bei Ivry Gitlis an der Kronberg Academy erinnere ich mich gerne zurück : ich kam zu spät zum Unterricht und er war deshalb ziemlich aufgebracht. Dann spielten die Pianistin und ich ihm die Sonate von Cesar Frank vor und nachdem wir fertig waren, schwieg Ivry Giltis. Ich befürchtete, dass er noch immer wütend war wegen meiner Verspätung. Aber dann liefen ihm die Tränen über die Wangen und er fragte, ob er die Pianistin und mich umarmen dürfte, weil unser Spiel ihm so gut gefallen hatte. Diesen berührenden Moment habe ich nicht vergessen.

Das ist ein wunderbares Beispiel, lieber Benedict, was Musik mit uns macht. Du hast mit deinem Spiel ihn tief bewegen können. Wie wunderbar! Du hast 2014 das  „Internationalen Musikfestival Koblenz“ gegründet. Was waren deine Beweggründe dafür?

Das kann ich ganz kurz und knapp beantworten: Ich wollte gerne die besten jungen Musiker an die schönsten Orte meiner Heimatregion bringen und sie dort gemeinsam auftreten lassen. Das Instrument ist für mich ein Teil meiner Person, so sehr verwachsen fühle ich mich mit ihm. Manche empfinden es aber auch als einen besten Freund.

Wenn du dein Cello “Ex Maurice Gendron“ charakterisieren würdest, wie würdest du es mir beschreiben?

Mein Ruggieri Cello hat eine ganz besonders warme, großzügige und zugleich kraftvolle Farbe . Ich verbringe mit keiner Person so viel Zeit wie mit ihm . Es ist wie ein Teil von mir geworden, eine Art Sprachrohr der Gefühle und Gedanken, die man nicht in Worte fassen kann. 

Immer wieder widmen dir und deinem Violoncello Komponisten neue Werke. Wie würde deine Lieblingsmusik aussehen in Besetzung und Charakter?

Ich möchte die Musik nicht auf Besetzung und Charakter  beschränken, denn mir ist das Wichtigste - und dabei muss sie nicht schön sein -, dass sie mich berührt und ergreift! Und das kann in unterschiedlichsten Stilen und Besetzungen sein. 

Aber was mir auch wichtig ist: ihre klare Botschaft, die mich überzeugt, dass ich mit meinem Spiel als Vermittler zwischen Komponist und Publikum voll und ganz hinter diesem Werk stehen werde.

Die letzten zwei Jahre haben unsere Tagesroutinen und unsere ganz persönlichen Lebensstile verändert. Wie hast du dich mit der vielen Zeit arrangiert, die du plötzlich gewonnen hattest und was gefällt dir daran besonders?

Dieser erste Lockdown war für mich fast wie ein Geschenk weil ich die Zeit so wunderbar nutzen konnte um an meinem Cello zu arbeiten: ungestört und mehrere Monate konnte ich intensiv arbeiten. Ich nahm mir vor eine neue Aufnahme mit Johann Sebastian Bachs sechs Suiten für Violoncello Solo vorzubereiten und beauftragte außerdem sechs zeitgenössische Komponisten aus sechs verschiedenen Kontinenten ein passendes Stück zu den Suiten zu komponieren. Und so wurde es für mich zu einer wahnsinnig spannenden Zeit: ich konnte eng mit den Komponisten arbeiten und das Meisterwerk der sechs Bachsuiten vertiefen.

Das klingt nach einem großen, seelischen Gewinn für dich. Was würdest du gerne aus dieser Zeit beibehalten?

Diese unglaubliche Ruhe, sodass man sich rein mit der Musik beschäftigen kann… Mir gefällt es so viel intensiver und ungestörter arbeiten zu können. Wir alle sollten solche Freiperioden beibehalten.

Und zum Abschluss hören wir noch eine Jukebox á la Benedict:

Franz Schubert Quintett - D 956
Nat King Cole Nature Boy
Bobby Hebb Sunny


Herzlichen Dank für dieses ausführliche Gespräch.

 


Interview und Text von Kathrin

 

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