Musikgespräche

Spannungsvolle Atmosphäre, Offenheit und Neugierde

Wie das Publikum das Notos Quartett inspiriert. Ein SINFONIMA-Interview mit dem Notos Quartett

Das 2007 gegründete Notos Quartett steht uns nach dem Erscheinen seines zweiten Albums während einer seiner ersten Konzertreisen 2021 Rede und Antwort. Die vier Musiker Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Viola), Philip Graham (Violoncello) und Antonia Köster (Klavier) befinden sich bei unserem Gespräch gerade in Schweden und erzählen leidenschaftlich über ihren Beruf und ihr Zusammensein – und verraten dabei ihr Lieblingsstück ihrer neuen CD „BRAHMS - The Schönberg Effect“.

Das Notos Quartett (Foto: Copyright Johann Sebastian Hänel)

Liebes Notos Quartett: was bedeutet für euch der schlichte Begriff „Musik“?
Das ist gleichzeitig eine sehr leicht und sehr schwierig zu beantwortende Frage. Einerseits ist sie für uns Lebensinhalt - unser Medium, um Emotionen und Geschichten zu kommunizieren. Andererseits bleibt auch für uns, die wir uns jeden Tag damit beschäftigen, Musik etwas unendlich Geheimnisvolles, das seinen Zauber nie verliert und mit Worten unerklärbar bleibt.

Geheimnisvoll ist ja auch oft, was einen persönlich in Werken begeistert. Habt ihr ein Lieblingswerk auf eurer aktuellen CD „BRAHMS - The Schönberg Effect“?
Auf unserer neuen CD ist tatsächlich eines unser absoluten Lieblingswerke zu hören: Brahms’ erstes Klavierquartett in g-Moll - eines jener Werke, die einen einfach nicht mehr loslassen. Mit seinem ungarischen Folk-Flair greift Brahms den Zeitgeist der damals in Wien so beliebten Musik der Roma und Sinti auf und macht daraus ein Feuerwerk aus Energie und Leidenschaft, das mit einem der wohl furiosesten Finalsätze der romantischen Kammermusik endet.
Da wir zu unserem bestehenden Repertoire und den vielen bereits vorhandenen Lieblingswerken gerne Neues hinzufügen, beinhaltet das Album auch noch eine Besonderheit: Wir haben uns von Andreas N. Tarkmann die dritte Sinfonie von Brahms für Klavierquartett arrangieren lassen. Unglaublich, was sich da für Entdeckungsmöglichkeiten ergeben! Für uns ist quasi ein neues Klavierquartett, und darüber hinaus ein neues Lieblingswerk, entstanden.

Das lässt einen noch mal ganz anders hinhören! Danke für den Einblick.
Als Zuhörer eines Konzerts hört man ja euch zu und erlebt gleichzeitig eure Interaktion. Was war da euer schönstes Konzerterlebnis?

Wenn man so viele Monate ohne Konzerte auskommen muss, wird einem bewusst, dass eigentlich jedes vergangene Konzert auf seine Art und Weise besonders war. Daher fällt eine Auswahl schwer. Vor einigen Jahren waren wir in Vietnam, um dort Konzerte zu spielen und zu unterrichten. Dort haben wir einige unserer schönsten Erinnerungen gesammelt. Die Offenheit und Neugierde, die uns durch besonders junges Publikum im Konzert und im gemeinsamen Sprechen über Musik entgegengebracht wurden, waren beeindruckend und inspirieren uns bis heute.

Ganz anders, aber ebenso inspirierend, war für uns ein Konzert in Zusammenarbeit mit dem RBB in einem Berliner Techno-Club. Zunächst natürlich das außergewöhnliche Ambiente! Gerade dieser ungewöhnliche Ort und die direkte Nähe zum Publikum erzeugten eine so spannungsvolle Atmosphäre, wie man sie sich in jedem Konzertsaal wünscht.

Nach diesem Bericht von Vietnam stelle ich mir die Frage, auf welches Land ihr euch demnächst besonders freut?
Jedes Land hat für uns seine eigenen Reize, die Konzertreisen ins Ausland immer spannend machen. So sind wir zunächst im europäischen Umland unterwegs und freuen uns dann ganz besonders auf zwei größere Touren: zum einen hoffen wir, dass unsere, zuvor Corona-bedingt verschobene, Japan Tournee stattfinden kann. In Japan kommen viele Dinge zusammen: der große Traditionsreichtum, großartige Säle, ein immenser Respekt vor der Musik, aufgeschlossene Menschen, perfekte Organisation und unglaublich viel Kultur. Einfach großartig.

Kurz davor freuen wir uns auf unsere erste USA Tournee. Auf ganz neues Publikum zu treffen und das erste Mal in einem neuen Land aufzutreten, ist natürlich immer ein spannendes Erlebnis.

Das wird auf jeden Fall spannend!
Ich selbst habe immer Ruhepole in meinem Leben, damit ich durchatme, meine Gedanken sortiere und wieder frisch starten kann. Das kann ein Waldspaziergang sein oder auch ein Abend, an dem ich den Grillen zuhöre. Manchmal ist es auspowernder Sport. Wie sammelt ihr wieder Kraft?
Das Erarbeiten neuer Projekte und neuen Repertoires, schlichtweg das Nicht-Aufgeben und Weitermachen hat uns viel Kraft und Perspektive gespendet. Zum Beispiel konnten wir gleich zwei CD Produktionen verwirklichen. Auch wenn es einem in Anbetracht der immensen Vernachlässigung des gesamten Kultursektors im letzten Jahr nicht leichtgemacht wurde, konnten wir uns als Quartett zumindest gegenseitig stützen und aufbauen. Da können wir uns glücklich schätzen, zu viert unterwegs zu sein. Uns hat es sehr geholfen, uns immer wieder auf die großartige Kunst, mit der wir uns widmen dürfen, zu berufen und uns bewusst zu machen, wie wichtig Musik für uns alle ist.

Das zweite und aktuelle Album „BRAHMS -The Schönberg Effect“ erschien im März 2021 bei Sony Classical und widmet sich dem ganz großen Romantiker Johannes Brahms. Neben dem berühmten Klavierquartett in g-moll ist mit der von Andreas N. Tarkmann eigens für das Notos Quartett erstellten Bearbeitung Brahms‘ 3. Sinfonie auch auf dieser CD ein so noch nie gehörtes Werk zu hören.


Das Interview führte Kathrin

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