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Ratgeber

Pflege von Holzblasinstrumenten: Wie gründlich muss es sein?

Maxim Lucchetta von der Wilhelm Heckel Gmbh, Spezialist für Holzblasinstrumentenbau, gibt wertvolle Tipps am Beispiel Fagott

Fotos dieser Seite: Wilhelm Heckel GmbH

Herr Lucchetta, Sie sind Teil des Familenunternehmens Wilhelm Heckel Gmbh und spezialisiert auf den Bau von Holzblasinstrumenten. Heute möchten wir mehr über die Pflege, Reinigung und Lagerung von Fagotten wissen. Beginnen wir bei der Pflege. Wie wichtig ist regelmäßige Pflege?
Regelmäßige Pflege ist das A und O, um die Langlebigkeit von Holzblasinstrumenten, insbesondere auch von Fagotten, zu gewährleisten. Mit der richtigen Pflege sind unsere Fagotte auch in über 100 Jahren noch einwandfrei spielbar.
Insbesondere Feuchtigkeit im Inneren des Instruments stellt eine akute Fäulnisgefahr für das Holz dar und erfordert daher regelmäßige Pflege. Diese dient aber nicht nur der Vermeidung von Schäden am Instrument. Sie ist zudem elementar für die Funktion der gesamten Klappenmechanik und hat letztendlich natürlich auch immensen Einfluss auf den Klang eines Fagotts.

Was heißt „regelmäßig“ eigentlich konkret? Nach jedem Spiel? 1 mal pro Woche?
Regelmäßig bedeutet in diesem Fall wirklich nach jedem Spiel. Insbesondere, um der Gefahr der Fäulnis entgegenzuwirken, empfiehlt es sich, die betroffenen Instrumententeile nach dem Spiel einmal kurz durchzuwischen und offen trocknen zu lassen. Dieser minimale Aufwand erzielt einen großen Effekt und wirkt sich langfristig sehr positiv auf das Instrument aus.
Die Notwendigkeit einer umfangreichen Generalüberholung hingegen ist immer von dem Umfang und der Intensität der Instrumentennutzung abhängig. Fagottisten, die täglich spielen, empfehlen wir, eine Generalüberholung ihres Fagotts alle zwei bis drei Jahre durchführen zu lassen.

Bei der Reinigung denkt man zuallererst an das Mundstück, das aus hygienischen Gründen nach jedem Spiel gereinigt werden sollte. Welche Komponenten betrifft dies noch? Welche müssen unbedingt regelmäßig gereinigt werden?
In erster Linie sollten all jene Instrumententeile gereinigt werden, die beim Spiel direkt mit Feuchtigkeit oder Speichel in Berührung kommen. Dies betrifft natürlich zuallererst das Rohr, das aus hygienischer Sicht tatsächlich nach jedem Spiel gereingt werden sollte. Dies gilt genauso für den Flügel und das Doppelloch, um eine Ansammlung von Feuchtigkeit im Inneren des Instruments zu verhindern oder zumindest zu minimieren. Eine gründliche Reinigung des S-Bogens, die natürlich aus hygienischer Sicht auch sinnvoll ist, wird in vielen Fällen von den Musikern dann aber doch eher nur sporadisch durchgeführt.

Welche benötigen nur ab und an Aufmerksamkeit?
Grundsätzlich ist ein Fagott natürlich ein Gebrauchsgegenstand, bei dem eine regelmäßige Nutzung einen gewissen Verschleiß mit sich führt. Gerade diese Verschleißteile werden bei unserer turnusmäßigen Generalüberholung erneuert. Das heißt, es werden alle Klappenpolster und Korke getauscht, alle Federn und Dichtungsgummis gerichtet oder erneuert und eventuelles Klappenspiel beseitigt.
Zusätzlich werden die Instrumente einer gründlichen Kontrolle von innen unterzogen, bei der, auch unter dem Einsatz spezieller Kameras, wirklich die gesamte Innenbohrung auf feuchte oder anderweitig angegriffene Stellen untersucht wird. Anschließend wird die Innenbohrung von uns dann noch einmal neu geölt.
Je regelmäßiger eine solche Generalüberholung vorgenommen wird, desto früher können mögliche Beschädigungen natürlich identifiziert und dann auch behandelt werden.
Bei Bedarf bieten wir selbstverständlich auch eine Behebung von Lackschäden beziehungsweise eine komplette Neulackierung des Instruments sowie eine Neuversilberung der Klappenmechanik an. Dies sind jedoch rein der Optik dienende Maßnahmen, die keinerlei Einfluss auf den Klang eines Fagotts haben.

Welche Hilfsmittel benötige ich für die Reinigung?
Gerade im Bereich der Hilfsmittel gibt es tatsächlich bedeutende Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten, die teils gravierende Folgen haben.
Das Mittel der Wahl zur Reinigung des Rohrs nach dem Spiel ist in der Regel ein einfacher Pfeifenputzer. Zur Reinigung der S-Bögen empfehlen wir spezielle S-Bogen-Bürsten. Mit diesen ummantelten Spiralen, an deren Ende ein kleiner Bürstenkopf sitzt, und etwas lauwarmem Wasser und Spülmittel können S-Bögen optimal gereinigt werden, ohne dabei die Versilberung der Bögen anzugreifen.
Für die Reinigung beziehungsweise Trocknung der Innenbohrung nach dem Spiel empfehlen wir spezielle Durchziehwischer, sprich Mikrofasertücher. Ganz wichtig zu beachten ist hierbei, dass das an dem Wischer befestigte Gewicht in irgendeiner Form ummantelt ist. Gerade bei älteren Ausführungen, bei denen das Gewicht nicht eingeschweißt ist, kommt es bei dem Einlassen der Kugel in die Innenbohrung häufig zu Beschädigungen am Abgussbogen.

Ausschlaggebend ist auch die Wahl der richtigen Pflegetücher für Oberflächenlack und Klappenversilberung. Oft führt hier die eigentlich positive Absicht der Pflege und Reinigung zu elementaren Schäden am Instrument. So hatten wir schon häufig Reparaturinstrumente bei uns, bei denen durch den Einsatz mangelhafter Pflegetücher entweder der Instrumentenlack aufgelöst oder verfärbt oder aber die Versilberung der Klappen maßgeblich angegriffen wurde. Wir können daher nur immer wieder neu betonen, zumindest für unsere Heckel-Instrumente ausschließlich die von uns angebotenen Pflegetücher zu verwenden, bei denen eine Kompatibilität mit unseren Lacken gewährleistet ist.

Ich kann also als Musiker vieles selbst übernehmen, richtig? Wann ist eine Intensivreinigung vom Instrumentenbauer nötig?
Es gibt viele Kleinigkeiten, die natürlich von jedem Musiker selbst vorgenommen werden können und sollen. Hierzu zählt zum einen das Auswischen der Instrumententeile nach dem Spiel sowie deren offene Trocknung an der frischen Luft, bevor sie wieder ins Etui wandern. Auch die Reinigung von Rohr und S-Bogen kann jeder Fagottist selbst vornehmen.

Ein ganz wichtiger Rat an alle Musiker an dieser Stelle: bitte behandeln Sie nicht die Innenbohrung! Von jeglicher Form der Reinigung mit scharfen Mitteln oder der Ölung der Innenbohrung durch den Musiker können wir nur abraten. Viele Öle vertragen sich nicht untereinander oder bilden sogar eine versiegelte Fläche innerhalb der Bohrung, was im Zweifelsfall die Intonation und den Klang des Instruments grundlegend verändert. Diese Arbeit sollte immer an den Instrumentenbauer übergeben werden.

Wie lagere ich ein Fagott am besten?
Es gibt verschiedene Arten, das Fagott zu lagern. Wer sein Instrument häufiger am Tag spielt und ein ständiges Zusammenstecken und Auseinandernehmen vermeiden möchte, kann das Instrument natürlich in einen gesicherten Instrumentenständer stellen. So ist es immer griffbereit, jedoch auch anfällig für Staub und mögliche Schäden. Den besten Schutz vor extremen Temperaturen, Staub, Feuchtigkeit oder anderen Schäden bietet natürlich das Instrumentenetui. Gerade wenn es darum geht, ein Instrument, das nicht oder nur unregelmäßig gespielt wird, zu lagern, empfehlen wir immer das Etui. Bei der Wahl des Lagerortes sollte auch beachtet werden, dass dieser keinen extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist und eine ausgeglichene Luftfeuchtigkeit herrscht.

Wie reinige ich mein Instrumentenetui?
Das Innere der Instrumentenetuis ist eigentlich sehr unempfindlich und erfordert in der Regel keine regelmäßige Pflege. Falls Ein Etui doch einmal verschmutzt oder staubig sein sollte, kann dieses problemlos ausgesaugt werden.

Haben Sie noch einen guten Ratschlag zum Abschluss?
Die meisten Schäden an Instrumententeilen ereignen sich nachgewiesen beim Transport, bei dem die einzelnen Teile zusammenstoßen. Daher sollte jeder Musiker besonderes Augenmerk auf die Wahl des Etuis legen. Insbesondere bei unseren Instrumenten empfiehlt es sich zusätzlich, das von uns mitgelieferte Holzpoliertuch als zusätzliches Polster zwischen die einzelnen Instrumententeile zu legen, um ein Maximum an Sicherheit zu gewährleisten. Auch hier ist natürlich wieder zu beachten, nur die vom Hersteller empfohlenen Tücher zu verwenden.
Ein weiterer Ratschlag, der leider sehr oft außer Acht gelassen wird, betrifft den S-Bogen. Viele Musiker lassen den S-Bogen im Instrument stecken, wenn dieses bei einer Spielpause zur Seite gestellt wird. Leider passiert es hier oft, dass man beim Vorbeigehen am Instrument dann doch einmal am S-Bogen hängen bleibt und diesen dann verbiegt, im schlimmsten Fall sogar das ganze Instrument umfällt. Daher können wir den Musikern nur ans Herz legen, den S-Bogen nach dem Spiel immer aus dem Instrument zu ziehen.
Vielen Dank Maxim Lucchetta für diese wertvollen Tipps!


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Text von Isabelle 

 


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